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Als Start-up ist Zurückhaltung falsch

Date: January 14 2009
Published by: Handelszeitung
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Von Sandra Escher Clauss

Mit stufenlos variierbaren Linsen für optische Systeme möchte das Dübendorfer Jungunternehmen nicht nur die Welt der Optik revolutionieren, sondern schon bald viele hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen.

Von einer eigenen Firma träumten Manuel Aschwanden und David Niederer bereits während ihres Studiums an der ETH Zürich. Dass diese Firma dann aber bereits kurz nach der Gründung derart für Furore sorgen würde, daran haben sie nicht im Traum gedacht. Doch der Reihe nach.

Im Februar 2008 gründeten Aschwanden und Niederer zusammen mit Mark Blum und Peter Vonesch die Optotune GmbH. Ziel des Unternehmens: Die Welt der Optik mit den von Manuel Aschwanden während seiner Forschungszeit an der ETH entwickelten Speziallinsen, bestehend aus elektroaktiven Polymeren, zu revolutionieren.

Businessplan als Stressprobe

Seitdem sie im Mai 2008 den ersten Preis beim Businessplan-Wettbewerb «venture 08» gewonnen haben, scheinen die ambitionierten Jungunternehmer ihrem Ziel einen grossen Schritt näher gekommen zu sein. «Diese Auszeichnung hat uns nicht nur zu Geld, sondern auch zu viel mehr Visibilität bei potenziellen Investoren, Kunden und Mitarbeitern verholfen», sagt Manuel Aschwanden. Zudem sei das Erstellen des Businessplans eine sehr gute Stressprobe gewesen, da das Ziel ganz klar gelautet habe, den ersten Preis zu holen. «Obwohl wir uns alle von der ETH oder von Weiterbildungskursen her kannten, war diese Feuerprobe Gold wert; wir lernten neue Seiten von uns kennen». Nun sei klar, dass sie auch in stürmischen Zeiten zusammenarbeiten könnten.

Eine Grundvoraussetzung für das junge Team, um seine hochgesteckten Ziele zu erreichen. Eines davon lautet: global tätige Handy-Hersteller mit stufenlos regulierbaren Linsen für optische Zoom zu beliefern. Erste Modelle sollen 2011 auf den Markt kommen. Bereits wurden zwei Mitarbeiter eingestellt und zwei weitere folgen noch in diesem Jahr. Und nachdem sie bei der Startkapital-Initiative «venture kick» 2008 ebenfalls zu den Gewinnern zählten und noch einmal über 100000 Franken generieren konnten, steht nun bereits die erste Finanzierungsrunde kurz vor dem Abschluss.

Wichtig war es den Firmengründern auch, von Beginn weg mit klaren Strukturen zu arbeiten. So fungiert Manuel Aschwanden als Erfinder der Speziallinse als CEO, David Niederer als ehemals engster Mitarbeiter von Aschwanden als Chief Technologie Officer, Mark Blum als Marketingverantwortlicher und Peter Vonesch aufgrund seiner ökonomischen Zusatzausbildung als Verantwortlicher für «Finance & Legal». Und auch über den Umgang mit zukünftigen Mitarbeitern hat sich das Gründerquartett bereits Gedanken gemacht. «Da wir als Jungunternehmen noch keine hohen Löhne zahlen können, müssen wir die guten Leute auf andere Wege für uns begeistern», so Aschwanden. Dazu zählen eine offene Firmenkultur und viel Gestaltungsfreiraum.

Ein gesundes Selbstvertauen

Im Business Inkubator der Forschungsanstalt EMPA in Dübendorf, in dem Optotune eingemietet ist, stehen bereits einige selbst gekaufte Geräte zur Produktion von Kleinserien der revolutionären Linsen. «Für die industrielle Produktion brauchen wir nun mehr Geld», so Peter Vonesch. Und mehr Mitarbeiter. Denn eines der obersten Ziele des Jungunternehmens lautet auch, hochqualifizierte Arbeitsplätze in der Schweiz zu schaffen. «Hochpräzise Produkte profitieren ganz stark vom Made in Switzerland und zudem haben wir auch eine gesellschaftliche Verantwortung», konstatiert Peter Vonesch.

Innovationen brauchen Freiraum

Neben einem revolutionären Produkt besitzen die Jungunternehmer auch ein gesundes Selbstvertrauen. «Als junges Start-up-Unternehmen ist Zurückhaltung fehl am Platz», konstatiert Manuel Aschwanden. Daher tingelt er im Moment meistens zusammen mit einem der Optoune-Mitgründer durch die Welt der Grosskonzerne, präsentiert mit Verve seine Produkte und verhandelt über Verträge. Dabei vergessen sie aber nie, dass das Thema Innovation weiterhin zuoberst auf der «To-do-Liste« stehen muss. Und zwar in allen Bereichen, wie Peter Vonesch betont. «Wir haben nicht nur ein innovatives Produkt, sondern auch innovative Produktionsprozesse».

Will heissen: die patentierte stufenlos variierbare Linse für optische Systeme, ist nicht nur vielfältiger einsetzbar als ähnliche Produkte auf dem Markt, sondern auch günstiger in der Herstellung. «Zudem werden wir auch innovativere Vermarktungswege beschreiten.» Wie diese aussehen, möchte Vonesch aber nicht preisgeben.

Viel gestalterischer Freiraum

Doch wie gelingt es den umtriebigen Unternehmensnovizen vor lauter operativer Hektik den Kopf für neue Innovationen frei zu halten? «Innovationen», davon ist Manuel Aschwanden überzeugt, «entstehen immer aus der idealen Kombination von vielen kleinen Wissensteilchen». Damit diese erworben und ideal kombiniert werden können, brauchen die in den Innovationsprozess involvierten Personen viel physischen und psychischen Freiraum. Einen Freiraum, den sich die vier Optotune-Gründer Manuel Aschwanden, Mark Blum, David Niederer und Peter Vonesch auch als Firmenbesitzer weiterhin zugestehen.

 
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