Eben noch Student – jetzt CEODate: February 11 2009 Von Michael von Ledebur Zielstrebig und ehrgeizig arbeiten die Macher von Optotune auf eine eigene Firma hin. Nun scheint der Durchbruch in Griffweite.
Das Bürogebäude ist unauffällig, das Treppenhaus schmucklos. Würde einem der Weg nicht gezeigt, man würde ihn kaum finden. Im ersten Stock ein Schild an einer Türe: Optotune. Entlang weissgetünchter Gänge geht es weiter, vorbei an Druckern und anderem Bürogerät, bis man schliesslich ans Ziel gelangt: ein Grossraumbüro, ein Dutzend Leute hinter Computern – nichts daran scheint aussergewöhnlich. Handy-Firma hat angebissen Der Eindruck täuscht. Optotune, der erste Mieter des Forschungszentrums Glatec (der ZO/AvU berichtete vergangenen Mittwoch), hat bereits einen bemerkenswerten Werdegang hinter sich. Die Firma arbeitet an der Entwicklung einer elektronischen Linse. Anders als herkömmliche Linsen, etwa in einem Fotoapparat, funktioniert der Dübendorfer Prototyp mittels elektrischer Spannung. Dank der Spannung lassen sich Linsen computergesteuert verkrümmen. Diese benötigen dadurch weniger Platz und verursachen auch weniger Kosten. Interessant ist dies unter anderem für Handy-Firmen, denn mit der Technologie lassen sich künftig auch in flache Handys Kameras mit einem Zoom einbauen. Und tatsächlich: Optotune hat das Interesse eines grossen, internationalen Mobiltelefonunternehmens wecken können. Dessen Namen will Jung-CEO Aschwanden nicht preisgeben. Doch er verrät immerhin, dass Anfang Jahr die oberste Führungsspitze der Firma persönlich den Weg in die unscheinbaren Räumlichkeiten in Dübendorf gefunden hat. Damit hat Optotune die grösste Hürde eines Start-ups bereits genommen und einen finanzkräftigen Investor an Bord geholt. Wie viel Geld fliesst, sagt Aschwanden nicht, «aber es ist genug, um 13 Personen den Lohn zu zahlen». Dabei hat die Firma erst vergangenen Sonntag erstmals Geburtstag gefeiert. Die Vision vom eigenen Unternehmen ist aber älter. Während des Studiums hätten er und sein Kollege Mark Blum, heute fürs Betriebswirtschaftliche bei Optotune zuständig, manchmal gescherzt: Wir machen gemeinsam ein Business auf. Hinter dem Scherz stand von Beginn weg grosse Zielstrebigkeit. Aschwanden und Blum besuchten freiwillig Business-Vorlesungen, welche die ETH ihren Studenten eigens anbot. Auch bei seinen Forschungen in adaptiver Optik hatte der gebürtige Urner früh eine zählbare Entwicklung im Auge. «Als Ingenieur will man immer etwas erfinden, das man brauchen kann», sagt er. Studiert hat Aschwanden Elektrotechnik, doktoriert jedoch in Maschinenbau. So entstehe Innovation – wenn man Ansätze aus zwei Bereichen zusammenbringe. Aus Aschwandens Doktorarbeit und der Master- Arbeit des dritten Optotune-Partners, David Niederer, entstand die Idee der verkrümmbaren Linse. Ein Coup und etwas Glück Doch von einer Erfindung bis zum Produkt ist es für gewöhnlich ein langer Weg. Die drei Studenten gingen auch diesen zielstrebig an: Ein Business- Plan wurde erstellt, der beim prestigeträchtigen Business-Plan-Wettbewerb der ETH, dem Venture, abräumte. Weitere Gelder flossen aus Stiftungen, und die drei Studenten investierten zudem eine gute halbe Million aus der privaten Schatulle. Damit war das erste Betriebsjahr gesichert. Der wahre Coup jedoch folgte, als Aschwanden beim CEO der besagten Handy-Firma persönlich vorstellig wurde. «Ich habe erfahren, dass er in Zürich ist, und konnte über mein Netzwerk ein Treffen organisieren. Da war natürlich auch etwas Glück dabei.» Und so kamen der Urner Manuel Aschwanden (28, CEO), der Zuger Mark Blum (27, COO) und der Aargauer David Niederer (31, CTO) zu ihrer eigenen Firma – inklusive Verwaltungsrat, in dem erfahrene Unternehmer Einsitz nehmen. Die professionellen Strukturen seien nötig, gerade in Hinblick auf weiteres Wachstum, sagt Aschwanden. Vom Studenten zum CEO in wenigen Monaten – eine eigenartige Erfahrung? Aschwanden: «Es ist ja nicht so, dass wir uns jetzt Boni auszahlen und teure Autos leisten könnten.» Die Firma sei nach wie vor in der Konsolidierungsphase. Deshalb sei man froh, von der Infrastruktur am Glatec-Forschungszentrum profitieren zu können, beispielsweise indem man für Entwicklungsarbeiten den Empa-Maschinenpark mitnutzt. Noch mindestens ein Jahr will man im Glatec bleiben – dann soll das Jungunternehmen bereits auf eigenen Füssen stehen. Sollte der ökonomische Durchbruch gelingen, ist für Aschwanden aber eines klar: «Wir werden etwas zurückgeben und junge Start-ups unterstützen. »
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